Donnerstag, 8. Juni 2017

Gang in den Abend


Leise legt der Abend weiche Schatten 
auf Gärten, Wiesen, Wälder und er lauscht,
wie  sanft des Tages Atem im Ermatten
verspielt in dürren Blättern rauscht.

Ich gehe die schattigen Wege entlang
und spüre, geniese das raue Liebkosen, 
wenn ein Blatt mich streift wie ein Gesang,
wie ein ferner Duft vertrocknender Rosen.

Dann aber sind um mich nur  die Pinien,
die sich noch im Abglanze regen,
Zypressen, deren verdämmernde Linien
sich hin in die Nacht zum Schlafe legen.

Mir wird der Weg endlos und schwer.
Die Füße halten und zögern und tasten,
als wäre kein Weiter, nur Nimmermehr,
nur Friede, nur Heimkehr, nur Rasten.




Donnerstag, 16. März 2017

Frühling




Narcis, Blume, Gelb, Weißer HintergrundLeicht wie imTanz umdreht das verhaltene Blühen
Des sich verkündenden Grüns in Wiesen und Gärten
Ein fröhlicher Wind, den die Feuchte des schmelzenden
Letzten Schnees  aus schattigem  Schutz erfrischt.
Darüber hin spielen Hasch-mich die Wolken
Mit der noch langsamen Sonne, die aber jene,
Die zu leichtsinnig sich an ihr verbrennen,
In Tränenschauern  auf die junge Erde hinab stösst.

Verwirrt wendet das junge Mädchen verwegene Blicke
Zum jungen Mann, dessen Worte kühner und  freier
Sie überlaufen und ihren Herzschlag betören.
Die Alten aber,  vom Winter geschwächt,
Drückt die Wende nieder, trübt ihren Blick
Und öfters verhalten sie ihren schleppenden Schritt.
Des Windes säuselndes Schmeicheln hört nicht mehr ihr Ohr,

Und sie sind Abschied, mitten im Jubel des Anfangs.

Mittwoch, 10. Juni 2015

pressiert



Durch die Kirchen zu spazieren,
im Gedränge  sich bewegen,
anschauen, weitergehen, passieren.
Opferstock, was ist denn das?
Spenden für die hungern? Was?

Das ist doch nicht mein Problem!
Ach, die Bank ist fast bequem,
wenn man sucht sich auszuruhen,
wie es manche häufig tun
wenn sie müde sind vom Fasten.

Manchmal muss man etwas rasten,
nicht zu Gottes Lob und Dank,
nein, nur weil man gerne schlank,
und das Leben will genießen.
Möcht den Hosenbund man schließen.

Ginge nicht, wenn zu viel Fett
um den Mittelleib man hätt'.
Fasten kostet wenig Geld,
hält man durch, ist man ein Held,
gotterwählt und glaubt sich heilig...

Ja, die alten Kirchenmauern
möchte gerne man bedauern,
denn um des Gebäudes Zweck
kümmert man sich einen Dreck.
Wozu auch? Nicht mein Problem!

Glaube lässt sich aufpolieren,
denn man möchte nicht riskieren
falls, man kann es ja nie wissen,
wir von Zweifeln angebissen,
ob nicht doch ein Herrgott sei....

Doch auch das geht schnell vorbei.


Dienstag, 25. März 2014

Versuchung


Eine Hexe versperrte mir einst meinen Weg,
keine hässliche Alte, kein rothaarig Luder,
doch wenn ich genau es mir überleg,
dann streute sie mir in die Augen ein Puder,

so dass ich geblendet war und wie gelähmt.
Ihre prachtvollen Lippen, ihr herrlicher Mund,
die Augen lüstern und doch wie verschämt,
die zarte Hand streckte aus sie und

wandermüden

müden Wandrer

lade ich zu mir

Bleibt nicht draußen

kommt herein

Findet alles was Ihr suchtet

Hier

Nein, wollte ich rufen, ich wollte entfliehen,
und wollte es nicht, und wusst mich verloren.
In die Hütte zur Liegestatt ließ ich mich ziehen
da habe in diesem Moment ich geschworen,

Nimmer und nie mehr soll mich Lethe berauschen,
dass ich mein nüchternes Denken verlier,
bis Träume und Wirklichkeit sich vertauschen!

Ich schrie. Das Scheinbild zerbrach. Ich bin Hier.


Montag, 3. März 2014

Bestellung



Er legte die Hand an seine Stirne
und hörte, wie sich Gesang
aus ihm zu lösen anfing
in die Schleier,
die schwarzen undurchdringlichen Schleier,
die ihn umfingen, liebkosten,
als den Alten ihn priesen,
als den Kommenden,
den Künder.

Wie er die Augen öffnete ,
die gebundenen Augen öffnete,
in die Schleier,
die,  wie erschreckt,
plötzlich von ihm wichen,
weil die Nacht sie zurückrief
und  Neues kam aus dem Morgen,
das ihm die Lippen aufriss
und den Gesang von ihnen abnahm,
mit dem Entzücken der Verwandlung.

Als dann das Bäumchen, vor dem er gesessen,
sich aufrichtete, wuchs und wuchs
und die Zweige, auf denen die jungen Nadeln keimten,
im Rhythmus der heran sich wiegenden Wellen aus Licht und Wind
zu tanzen begannen,

als dann die Vögel hernieder stießen
aus einem blauentflammten Himmel hernieder,
und sich legten auf den Arm des riesigen Baumes,
der hinter ihm aufragte
und  seine tiefe Stimme im Windhauch tönen ließ,

als dann die Blüten und Blumen zu seinen Füßen
ihren Atem zu versenden begannen, den wohlriechenden,
der durch die Zähne der Blütenblätter
wanderte und weidete,

als dann seine Hände sich hoben,
zu preisen den, der ihn gesandt,
der ihn gesegnet
und als den Erwählten erkennen ließ,

als alle die Zeichen,
alle die wunderlichen und prachtvollen,
sich verkündigt,
da sank er in die Knie
und verschwieg sich …