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Donnerstag, 8. Juni 2017

Gang in den Abend


Leise legt der Abend weiche Schatten 
auf Gärten, Wiesen, Wälder und er lauscht,
wie  sanft des Tages Atem im Ermatten
verspielt in dürren Blättern rauscht.

Ich gehe die schattigen Wege entlang
und spüre, geniese das raue Liebkosen, 
wenn ein Blatt mich streift wie ein Gesang,
wie ein ferner Duft vertrocknender Rosen.

Dann aber sind um mich nur  die Pinien,
die sich noch im Abglanze regen,
Zypressen, deren verdämmernde Linien
sich hin in die Nacht zum Schlafe legen.

Mir wird der Weg endlos und schwer.
Die Füße halten und zögern und tasten,
als wäre kein Weiter, nur Nimmermehr,
nur Friede, nur Heimkehr, nur Rasten.




Freitag, 31. Dezember 2010

Silvester 2010

Welch eine Zeit! Du heiliger Strohsack!
Ein Jahr ist schon wieder - beinahe - vorbei.
Mit Feuerwerk, Sekt und Raketen
feiert Silvester das lärmende Pack.

Was gibt es zu feiern? Das ist einerlei,
es hat uns doch niemand zu fragen gebeten.

Doch was man nicht weiß, erzählt andren man gern,
und jeder vermeint, dass der Klügere er sei.

Zwölf Monate abgelaufen, durchlebt,
was gestern noch war, scheint uns heute so fern:
man bekaut noch die Frucht, wenn des Pudels Kern
dem Pentagramm zu entfliehen strebt.

Ach, Fauste, Mephisto, in dieser Welt,
da habt Ihr wohl nichts mehr verloren;
es zählt nur, was hier uns und heut unterhält.
Des Pöbels Geschrei betäubt meine Ohren.

Jalousien geschlossen, das Feuer verglimmt
im verrußten Kamin, das Weinglas vibriert
in der fiebrigen Hand. Ein neues Jahr klimmt
aus dem Schoß einer Nacht, die ins Nichts sich verliert.

Montag, 21. September 2009

Der Herbst ist wieder da

Auch wenn die Abende nun später werden,
das Strahlen des Herbstes ist im Grau verstaubt.
Wie segnend bietet uns das Jahr Gebärden,
an deren Großmut niemand wirklich glaubt.

Die Sonnenbräune ist schon ausgeblichen,
vom Urlaub redet man im Konjunktiv,
Man könnte, wollte, ist dann ausgewichen,
weil es ja sowieso ganz anders lief.

Das nächste Ziel? Ach ja, das Jahresende,
der Weihnachtstrubel, der kommt noch zuvor,
und dass man sich beim Schifahren wiederfände,
falls man die Lust dazu noch nicht verlor.

So jagen wir durch Wochen, Perioden
von einem Lebenshöhepunkt zum andern,
doch hält der Alltag uns zurück am Boden.
Wir bleiben sitzen, nur Gedanken wandern.

Freitag, 11. Januar 2008

Ende

Verlier dich in Alleen der letzten Bäume,
die leeren Wege führen in das Nichts.
Mit Dunkelheiten füllen sich die Träume,
erlöschen mit der letzten Spur des Lichts.

Allein bist du, kein Abgrund tut sich auf,
kein jäher Anstieg ladet dich zur Flucht.
In sich gefaltet stocken die Gedanken.
An deines Hirnes Ufer prallt mit Wucht

der Unrat vieler Tage, der verdorben,
wie Fleisch zu Aas verwandelt im Verfall.
Du fühlst vom Lebenswahn dich noch umworben,
doch fern schon bist du seinem süßen Schall.

Dann ist die Welt vorbei, die Zeit nicht mehr,
die Hand verhält, der Fuß trägt keine Regung
und alle Fragen bleiben antwortleer.
Die Stille schweigt. Zur Ruhe wächst Bewegung.

Donnerstag, 17. Mai 2007

Rückenmassage

Wenn du an Liebe denkst, vergiss das Alter, 

das Reife bringt vielleicht, doch stets Verfall! 
Was du für Würde hältst, ist nur ein kalter 
Verzicht, ist Klagen ohne Widerhall. 

Die warme Hand, gelegt auf meine Haut, 
aus alten Träumen weckt sie Phantasie, 
doch dort, wo damals Gier mein Blut gestaut, 
erblüht jetzt welke Lust zu Poesie.

Zwischenzeit

Wenn die gefleckten Vögel sich den Himmel greifen, 

auf Flammenflügeln tanzen ihren Schaukelschwung, 
 den Abgrund wissen, doch den Horizont nur streifen, 
um sich zu wiegen in der frühen Dämmerung, 
 dann klagt von Abschiedsweh bisweilen eine Weise, 
 die nur sich selbst erhört als Widerhall 
und sanft Erinnern an die frühe, lange Reise, 
die aus dem Nichts entführte in das Überall. 

Fast ist der Abend schon hereingedrungen, 
der Hain belauscht sein eigenes Geraune, 
durch das betörend süße Saitenspiele sind erklungen 
und sich ermüdet strecken satte Faune. 
 Sie lüften ihren Fleischberg, der sie zur Begattung 
der ewig wiederholten, immer neuen drängt. 
Schnell schwindet mit dem Tageslichte die Ermattung, 
wenn Gier der Abendwind in ihre Nüstern hängt. 
 Streicht durch die Vogelbeerensträuche 
spät ein Gast, der nichts mehr weiß von alter Zauber Wirken, 
kann es geschehen, dass die Nacht ihn fasst 
und er im Schlafe trinkt den Wurzelsaft der Birken.

Ablöse

Sie waren beide jung. 

Im Hass und Gleichmut der Umgebung so erfahren, 
dass sie sich selber nicht mehr mochten. 
Bis die Begegnung ihnen wie mit Seidentuch, 
sein Blick auf sie, ihr Blick auf ihn, 
all das Gewusste aus gequälten Mienen aufsog.
 
 Er griff nach ihren Händen oder war es sie, 
das ließ sich später nicht mehr klären, 
zu einem weiten Gang durch das Geschrei der Stadt. 
Sie hörten nicht die Unmutsrufe, das Verkäuferlocken, 
als dann ihr Gang ein Laufen, Springen, Tanzen wurde 
zur Musik, die nur in ihnen war und die sie trug 
 hin zu der Brücke, die den Wildbach überwölbte. 

Ein Lachen, glücklich wie ein Jauchzen klang 
der Schrei, mit dem sie in die Fluten stürzten, 
die ihre ineinander sich umklammernd Leiber 
noch lange, lange mit sich trugen, 
bis sie das Meer befreite.

Abkehr

Geschlagen, verdammt in Hinterhöfen des Lebens 

 ein Dasein zu fristen, in dem selbst sein eigener Name 
ihn nur mit Erschrecken mehr füllt. 
Gespenstig gleitet der Schatten die Wände entlang, 
verfängt sich in Spinnwebennetzen leimiger Haftung 
zur modrigen Tarantella. 

Wie konnten die einstigen Träume so früh ihn verlassen, 
Gazellen und Lilien, die seine Brust bewohnten, 
wo Elefanten behäbig und langsam jetzt schreiten? 
Wohin sind verschwunden der Schmerz und das Frösteln der Gier, 
wenn am Abend Frau Nacht die Gewänder anhebt und abstreift, 
um mit spitzer Zehe die Frische des Meeres zu proben?

Er, der alles gesehen, gewollt oder nicht, 
schluckt die verbrennenden Worte und spült 
aus dem Schlunde die ätzigen Flüche am Morgen.

Samstag, 12. Mai 2007

Abstieg

Der Liebe feurig Brand hat sich verlagert, 

es knirscht der Kalk im Knie, wenn ich mich beuge. 
 Selbst meine Phantasie ist abgemagert, 
so dass ich nur mehr fromme Wünsche zeuge. 

Auf Nebenstraßen stauen rot sich Klumpen; 
den Zugang werden bald verstopft sie haben. 
Dann lässt ein schwarzes Männlein sich nicht lumpen 
 und spricht, wie gut ich war, der jetzt begraben! 

Doch ist das Spiel nur für den einen aus, 
denn für die andren geht es lustig weiter: 
man speist recht gut und trinkt beim Leichenschmaus 
aufs Wohl des Toten Erbschaft und ist heiter.