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Montag, 6. März 2023

WerWasWoWie oder der wachsende Wert des «W»


Dann sagte er, Du weißt schon wer,

er sagte, aber das, ja, was er sagte,

das war doch irgendwie so, wie ich sagen wollte,

als Du mich irgendetwas gefragt hast.

Ja, habe ich es nicht gesagt, oder

hast Du mich nicht verstanden?


Aufgeschrieben habe ich es auf das Briefkuvert

von irgendeiner Bank, die Geld will oder mir Geld

zu Wucherzinsen leihen möchte,

diese Bank. Nicht meine, aber doch bekannt,

die, Himmelherrgottsakra! welche ist es, aber doch egal,

also ein Kuvert, auf das ich notierte


und das ich weggeworfen habe,

denn es ist nicht mehr da, 

und dort auch nicht

und vielleicht auf dem Boden?


Aber da liegt etwas,

ein Zettel aus dem Vormerkbuch.

Da steht so vieles drauf,

aber ich kann es nicht mehr lesen, 

denn der Schreiber,

muss wohl ich gewesen sein,

denn niemand sonst kommt in mein Zimmer, 

um etwas zu notieren und 

auf den Boden zu legen, zu werfen,

was er geschrieben, oder?


In die Apotheke soll ich gehen,

hat meine Frau gesagt und kaufen,

das Mittel, das sie nach dem Frühstück

jeden Tag einmal, ich weiß, 

es ist in einer gelben Packung, 

und wie es heißt, wird mir sicher einfallen,

wenn ich es in der Apotheke sehe.


Wird auch nicht von der Krankenversicherung bezahlt, 

also muss ich, 

wo ist jetzt schon wieder meine Bankkarte,

die ich noch vor ein paar Stunden verwendete?

In meinem Gilet? 

Hosentasche? kann ja nicht sein, 

denn dort stecke ich sie nie hin, 

immer in die Brusttasche, 

aber dieses  verdammte Hemd hat keine,

dort stecke ich immer die Bankkarte hin, 

wenn ich eine Brusttasche habe.


In der Umhangtasche? Da, das Lederetui,

das mir vor Jahren die «Diners», 

an die erinnere ich mich noch gut, 

die hat es mir geschenkt, 

oder war es die Kalenderfirma? 

Aber dieses Etui, leer ist es!


Ich muss mehr Struktur in meinen Tag bringen, 

immer schön klar,

immer die selben Routinen!

Muss ich mir noch überlegen, 

welche am geeignetsten sind, die Routinen.


Auch dort nicht. 

Noch einmal das Gilet. 

Da! Da ist sie, die blaue Visa, 

schön in der sichersten Innentasche.

Ich bin doch aufmerksam und vorsichtig.


Muss man aber auch, wenn man wissen will,

was wer wo gesagt und vielleicht,

vielleicht sogar,

warum!


Meine Bankkarte!

Und der Code, 

der Code?




Schwarzbeere, 1. Oktober 2013 oder  heuer (2023) oder ?


Dienstag, 25. März 2014

Versuchung


Eine Hexe versperrte mir einst meinen Weg,
keine hässliche Alte, kein rothaarig Luder,
doch wenn ich genau es mir überleg,
dann streute sie mir in die Augen ein Puder,

so dass ich geblendet war und wie gelähmt.
Ihre prachtvollen Lippen, ihr herrlicher Mund,
die Augen lüstern und doch wie verschämt,
die zarte Hand streckte aus sie und

wandermüden

müden Wandrer

lade ich zu mir

Bleibt nicht draußen

kommt herein

Findet alles was Ihr suchtet

Hier

Nein, wollte ich rufen, ich wollte entfliehen,
und wollte es nicht, und wusst mich verloren.
In die Hütte zur Liegestatt ließ ich mich ziehen
da habe in diesem Moment ich geschworen,

Nimmer und nie mehr soll mich Lethe berauschen,
dass ich mein nüchternes Denken verlier,
bis Träume und Wirklichkeit sich vertauschen!

Ich schrie. Das Scheinbild zerbrach. Ich bin Hier.


Samstag, 19. Dezember 2009

Jenseits des Fensters

Der kleine Fensterspalt,
durch den ich oft nach außen schau,
zeigt nackt und grau
mir einen Himmel,
ausgebleicht und alt.

Vielleicht sind draußen Flüsse, Wiesen, Wald,
von denen man aus Büchern mir gelesen,
doch wie das auch in meinem Schädel widerhallt,
in mir bleibt nur: was wär gewesen?

Seit wann, warum...?
Die Mutter konnte es nicht wissen,
dass dieses Mittel, ihr vom Arzt verschrieben,
um die Beschwerden ihrer Schwangerschaft zu lindern,
für mich, da ich noch Fötus in ihr war,
das Wachsen und Entwickeln meiner Glieder
so hindern würde, dass ich zwar ein Leben
mit dem Schrei des Neugeborenen begrüßte,
doch dann, als ich zu denken anfing,
ich nicht begreifen konnte,
es nicht verstehen wollte.

Die Mutter konnte es nicht wissen.
Wie sie, trägt niemand Schuld daran,
dass ich geworden, so wie ich jetzt bin,
gebunden an ein Bett, allein befähigt
den Kopf zu heben und zu wenden,
wenn ich gefüttert werde, oder
Verdautes aus dem Rumpf zu stoßen,
wenn man es so von mir verlangt.

Vielleicht jedoch war ich es selbst,
der es verhindern hätte können,
als damals ich Idee erst, Wille,
ins Dasein mich gewaltsam drängte?

War da noch etwas anderes?
Ist da noch etwas anderes?
Kann etwas, oder jemand, oder....
sich auch nur denken, ob es anders
sollte sein, geworden sein?

Ist dort ein Himmel, ein Bestimmtes,
ein unbestimmtes Irgendetwas,
das dies hier alles trägt und lenkt
und ohne Ziel noch Wert besteht?

Wenn ich für jenes ohne Namen,
das ich nicht lernte zu benennen,
nach einem Namen suche, so,
da es doch ich und alles ist,
will ich es auch mit Du benennen
oder auch Gott, mein Gott? was soll’s!

Ich sehe durch den Fensterspalt
auf einen nackten, grauen Himmel,
der ausgebleicht und abgenützt!

Mittwoch, 25. Juni 2008

Ängstliche Verwirrung

Schüttle nur deinen bedeutenden Kopf,
wenn das, was ich dir im Vertrauen zu flüstern gewagt,
nicht deiner Erwartung entspricht.

Hebe die schwere Hand,
den Daumen drehe nach unten,
dass die Hyänen gleich mich beheulen.

Wie sie stürzen auf mich
und den Flaum meiner Lippe beriechen,
den Spargelgeruch und der Achselhöhlen Katarrh.

Wie soll ich die Zeichen dir deuten,
da meinen pochenden Brustkorb die Trunkenheit weitet,
wie heißer Honig Gesang auf meinen Scheitel tropft.

Freilich bleibt mir die Mutter, die sanfte,
die mit dem Schürzenzipfel der Druiden magische Zeichen
von der Schicksalstafel abwischt.

Freitag, 9. November 2007

noch zwei Minuten


...noch zwei Minuten
bis die Glocke tönt
und mich aus dem Verliese meines Schädeltempels
in eine unbekannte Freiheit zu entlassen droht.

Was kann in solchen Zeiten noch
geschehen, sich in mir entrollen
aus jenen Vorratskammern,
deren Türen nie geöffnet?

Was wird mir in dem Lichte
aus der andren Seite
angeboten, aufgedrängt?Verkennen
Die Angst...

Ich muss sie überwinden,
um einen Schritt nur gehen zu können.
Anschlägt die Glocke,
um die Zeit,

und ich,
geblendet,
falle, stürze
in das Außen...

Samstag, 8. September 2007

Mondängste

Die dunkle Brille bietet vagen Schutz. 

Wär besser wohl, wenn ich die Augen schlösse 
und hinterm zugezogenen Vorhang hocken bliebe.
 
Doch dieses Rauschen, diese Brandung aus Verlangen, 
nach Sturz und Flug, wie es in meinem Schädel schäumt, 
und durch die Glieder streckt die Gier, 
sie zittern macht, bis aus dem Munde, 
zum schräg gestelltem Maul zerrissen, 
die Qual hervor würgt sich im stummen Schrei.

Dann, durch das splitternde Gebälk der Türe 
bricht mein ungeheurer Leib 
in Deine lichte Herrlichkeit, 
Du bleicher Gott! 

Ich trinke Deinen Nebelhauch, 
der aus den schwarzen Büschen immer höher 
auf zu den Gipfeln steigt 
und Du mich hebst mit ihm aus Wald und Felsen,
aus der feuchten Nacht, 
zerfließend in die Moderträume 
der so sehr Gerechten 
in die Gewalt des nie gewesenen Seins

... aus dem ich fröstelnd in den Tag erwache, 
um seinem ungerührten Morgen 
schluchzend zu entfliehen.

Mittwoch, 6. Juni 2007

Die Jugend ist die Seuche


Denn allen Raum durchdringt die Dummheit,
die aus den Poren träufelt, uns umschlingt
wie Sumpfgewächs, erstickend Licht und Glut.

Wie wenig braucht es, um die Brut zu sengen,
die sich aufs Leben schimmelgleich gelegt?
Schon immer gab es Mord und Brand und Seuche.

Die Jugend ist die Seuche, die auf alles,
was je der Mensch durch Arbeit sich erkämpft,
nun ihre freche Hand im Frevel legt.

Die Jugend, die zum eitlen Wahn der Alten,
der sich in vager Möglichkeit erschöpft,
die Tatkraft ihrer jungen Jahre fügt.

Was vordem harmlos nur seniler Geifer,
durchtrennt als Richtschwert dann der Welt den Nacken,
die mit ins Sterben alles Leben reißt.

Wenn man wollt fragen, wessen war die Schuld
und wer nur Diener eines fremden Geistes,
so schweigt das Sein, der Stimme längst beraubt.

Es schweigen die Ruinen und Kadaver,
Nur Wind bewegt bisweilen dürre Halme,
doch niemand lauscht mehr ihres Raschelns Klage.


Montag, 21. Mai 2007

Schlafstörung


Wenn die Nacht um mich knackst
oder summt und der Tinnitus pfeift,
halt ich die Lider geschlossen
und steige ins Träumen.

Pfeif nicht so laut!
Das Pochen hinter dem Brustbein:
Bumh, brrrumpum, brubbrubbrub!
Sollte zur anderen Seite mich drehen.

Wie ich schnaufe.
Hinter einem Wagen,
einem winzigen mit lachenden Spöttern,
laufe ich her,
keuche und springe.
Sprünge,
die sich von den Sohlen
ablösen.

Höher,
aber ich stoße schon an,
denn der unendliche
gewölbte Himmel
ist so tief.
Mit meinen blutigen Nägeln
kratz ich den Kalk
aus seinen Fugen,
suche seine Türe,
die Luke, ein Fenster
einzudringen
hinter diese Himmelswand,
unter der ich sticke,
ersticke ,
ersticke..

bis der Tinnitus
die Pause läutet
und die Nacht wieder um mich knackst.