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Mittwoch, 10. Juni 2015

pressiert



Durch die Kirchen zu spazieren,
im Gedränge  sich bewegen,
anschauen, weitergehen, passieren.
Opferstock, was ist denn das?
Spenden für die hungern? Was?

Das ist doch nicht mein Problem!
Ach, die Bank ist fast bequem,
wenn man sucht sich auszuruhen,
wie es manche häufig tun
wenn sie müde sind vom Fasten.

Manchmal muss man etwas rasten,
nicht zu Gottes Lob und Dank,
nein, nur weil man gerne schlank,
und das Leben will genießen.
Möcht den Hosenbund man schließen.

Ginge nicht, wenn zu viel Fett
um den Mittelleib man hätt'.
Fasten kostet wenig Geld,
hält man durch, ist man ein Held,
gotterwählt und glaubt sich heilig...

Ja, die alten Kirchenmauern
möchte gerne man bedauern,
denn um des Gebäudes Zweck
kümmert man sich einen Dreck.
Wozu auch? Nicht mein Problem!

Glaube lässt sich aufpolieren,
denn man möchte nicht riskieren
falls, man kann es ja nie wissen,
wir von Zweifeln angebissen,
ob nicht doch ein Herrgott sei....

Doch auch das geht schnell vorbei.


Freitag, 6. Januar 2012

Es jammern die Alten

Glaubst Du denn nicht, dass Dein wehleidig Klagen
den anderen oft auf die Nerven geht,
es sei denn, sie dürfen von sich selber sagen,
wie es um ihre eigenen Wehwehchen steht!

So wird ein Gespräch unter Greisen geschickt
auf dies Thema gebracht, und in dessen Verlauf,
auch wenn oft der eine schon längst eingenickt,
der andere doch nicht zu jammern hört auf.

Nur eines scheint wichtig in solcher Debatte
– welch hochtrabend Wort, wie klug, wie gescheit -
dass ein jeder glaubt, dass sie ihm gestatte,
aller Welt zu verkünden, wie einzig sein Leid.

Dies ist ein Zweikampf, in dem jeder siegt,
weil doch nur er selbst sich zum Sieger erklärt,
und sich überzeugt in Zufriedenheit wiegt,
wenn der Sack seiner Klagen erfolgreich entleert.

Drum lasst uns doch unsere Jammerkonzerte,
die erleichtern das Leben ein wenig uns Alten,
da alles, was man wie man jung war begehrte,
uns jetzt, da wir alt sind, wird vorenthalten.

Dies Plappern ist unsere Heiltherapie,
die wir lustvoll verfolgen, sobald wir zu zweit:
wir jammern und klagen und irgendwie
vertreiben wir so unsre Einsamkeit.

Mittwoch, 10. Februar 2010

Steigerungsstufen

Liebste, so wolltest Du, dass ich Dich nenne,
auch noch am Morgen nach durchliebter Nacht.
Doch als ich‘s versuchte, da musst ich bekennen,
dass dies mir schwer fiel, und Du hast gelacht,

dann mir einen Stupser dort unten verpasst,
wo vorher am Abend ich in meiner Fülle
stolz mich gefühlt und sogar geprasst,
doch jetzt nur noch schweigende, trocknende Hülle.

Sollte ich lernen, wie sich deklinieren
die Lust und die Liebe, sich Geben und Nehmen?
Kann sich mein Sprachgefühl wirklich so irren:
Superlativ bei dergleichen Themen?

Steig ich jedoch von oben herab,
vom Elativ endend im Positiv,
so grabe ich unsrer Leidenschaft Grab.
Was immer ich tue, es läuft alles schief.

Wie klingt „meine Liebe” so schrecklich banal,
Pastorendeutsch mit dem Finger erhoben,
Lauwarme Liebe schmeckt schal, doch fatal
erweist sich Grammatik, mit Liebe verwoben.

Donnerstag, 28. Mai 2009

Tragödie im Theatercafé

Seine stolze Siegerpose

wird vom Schrecken schnell gehemmt,
spürt er:  in der Unterhose 
ist ein Stückchen Mann verklemmt! 

 Sucht er mit versteckten Gesten 
dies Gefängnis aufzubrechen, 
muss dies den Theatergästen 
in mokante Augen stechen. 

Drum, du Unterhosenträger, 
richte dein Gestell zu Hause, 
dass kein Blick der Fallenjäger 
höhnisch mustert dich zur Pause.

Samstag, 2. Mai 2009

Schon wieder mal!

Alle Male sind viel besser als ein Mal, das jenen, der es ohne erste Silbe für ein Einmal setzt, das also einmal zu bedeuten hat, als Sprachvernachlässiger aus den nördlichen Bereichen des deutschen Sprachraums identifizieren muss, wenn man nicht einem äffisch sich der Nachahmung schlechter Sprachgepflogenheiten hingebenden Süddeutschen bei dessen Gebrauch begegnet, was den hier sich erregenden Hochdeutschpuritaner zu ohnmächtigen Tränen der Wut und Beschämung triebe.

So las ich in einer sonst sich freundlich und nett gebärdenden Einladung zur Beteiligung und Mitarbeit an einer sich der Schöpfung und kreativen Gestaltung widmenden Gemeinschaft, die, um bei der sich immer mehr verbreitenden Zerstörung der deutschen Sprache durch die unnötige Hereinnahme von Ausdrücken in vorwiegend englischer Sprache mitzuwirken, sich als Community bezeichnet, die hiermit inkriminierte Aufforderung

"schau doch mal bei uns rein!"


Sollte ich das?

Samstag, 22. November 2008

Unklare Resignation

Weißt du, dass die Frauen heute immer schöner werden und ihre Körper wohlgeformter?

So meint meine Frau!

Als ob ich es nicht mehr sehen könnte, nur weil ich nicht mehr den Erobererblick aufsetzen kann, ohne mich ein wenig lächerlich zu machen. Das heißt doch nicht, dass ich kein Mann mehr sei, oder zeigt sich dies Mannsein nur in der Regelmäßigkeit des Sexkonsums?

Dann spreche ich mit meiner Masseuse, die mir den Rücken bearbeitet und vorzugsweise meinen Trapezmuskel, und sie sagt, „nicht nur die Frauen, auch die Männer!“ und da bin ich ausgespielt, denn hier kann ich nicht mehr mithalten. Wie es schon Eugen Roth ausdrückte, vom Menschen im Familienbad, dessen Doktortitel ihn nicht vor den hämischen Blicken der sportlicheren jungen Generation schützt.

Was also soll es, dass sie, die Frauen immer schöner werden, wenn ich nicht zu den Nutznießern gehören darf, die sich an dieser Verschönerung erfreuen dürfen? Was heißt das schon, erfreuen? Spöttische Mäuler werden es gleich mit konsumieren identifizieren, doch wir wollen ja nicht so weit gehen, denn wenn meine Frau so etwas sagt, wie sie es gesagt hat, dann muss doch eine bestimmte Absicht dahinter stecken, oder?

Also was will sie, meine Angetraute, die mir von der wachsenden Schönheit der weiblichen Welt spricht?

Dienstag, 15. April 2008

Lamento eines älteren Herrn

Mittwoch, April 4, 2007

Sonntag, 30. Dezember 2007

So viele Liebesgedichte

Und immer wieder in Gedichten Liebe, 

als gäbe es auf dieser Welt nichts als Geschlechtsverkehr, 

bei dem man bestenfalls verwirrt, 

verdummt wie unbekümmert Diebe, 

die nächtlich sich in leere Häuser wagen, 

Gedanken unterdrückt, wenn sie uns sagen, 

dass alles Dreschen, Süßholzraspeln, Reizen 

am Ende Spreu nur schafft, indes der Weizen 

gedeiht allein im Wahn, der Phantasie, 

wenn mit geschlossenen Augen man erträumt, 

was niemals war noch wird zum Vis-à-vis.

Samstag, 4. August 2007

Atta, oder die Bahnreise

Atta“ schreit das Kleinkind neben mir,

das eine selig lächelnde Mutter stolz betrachtet,

Atta!“ so klingt es mir ins Ohr

und will wohl ganz bestimmt nicht altgermanisch sein,

doch was das schrille Heulen auch bezweckt,

in meinem gar gekochten Hörkanal,

nach vielen Stunden im Waggon,

zwar 1. Klasse aber trotzdem lärmbelästigt,

fügt sich der Schmerz zu Lautgebilden,

die sich den Sinn von irgendeiner der Erinnerungen suchen,

die mir noch bleiben, da das Blut des Schmerzes

mir das Sein zum Überlaufen füllt.

Atta!“

Oh, ich könnte Amok laufen!


Sonntag, 8. Juli 2007

Der Gehörnte

Ob die lächelnden Züge der gierige Bock, 

der den Amboss mit Wucht so behämmert, 
dass das Eisen sich glättet und streckt, 
auch manchmal dem willigen Opfer noch zeigt, 
wenn die Glut in der Schmelze erstickt und erstarrt?
 
Er entzieht sich vielmehr der Umarmung 
und zerstößt mit dem Klumpfuß die Lüge, 
die an ihn sich klammert 
mit neu nun erwachter Lust 
und mehr will und mehr immer wieder, 

bis in die Nebelfeuchte des Morgens 
er hinkend entflieht 
zu seinem herrlichen Weibe, 
die ihren lustvollen Leib jedoch 
nur den anderen Göttern gewährt.

Nebenwirkung

Ich bin nur eine Nebenwirkung,
ein by-product, wie die Anglisten sagen,
aus jener Lust, die in den frühen Tagen
zwei Menschen ineinander steckte.

Dass dann aus der Verkoppelung
sich unerwartet meine Zellen formten,
die sich vermehrten nach genormten
Prinzipien? Das hat mein Ich geboren.

Donnerstag, 17. Mai 2007

Aha!

wie ich schon gestern bemerkte,
oder war’s heute vielleicht?

ist in der Poesie
scheinbar vorhanden, was
tatsächlich nicht existiert.

Koch doch den giftigen Waldpilz
und bereite ein Mahl;
nachher betrachte die Gäste
schwindlig zu Boden sinken,
taumelnd den Dichter versohlen.

Wie züchtig war man anno dazumal

Er hat bestimmt es auf mich abgesehen, 

 auch wenn er nein sagt und es stets bestreitet. 
Doch kann ich ihn jetzt nicht mehr übergehen, 
 so spiele ich die Unschuld, zartbesaitet. 

 Wie kann der Tolpatsch nur von sich behaupten, 
 er sei nach alter Schule Kavalier! 
 Er glaubt sogar, mir machten die verstaubten 
 und dummen Komplimente noch Plaisir. 

Lässt Rosen oder andre Blumen kommen, 
ich lächle, das macht mir schon nichts mehr aus. 
Ist doch mein Jungfernkränzchen fortgeschwommen, 
drum ließ ich gern ihn jetzt zu mir ins Haus!

Kochkunst und Eheleben

Warten, dass die Suppe kocht, 

indes Madame, mein Eheweib, 
sich ihre frisch gewaschnen Haare trocknet. 
Gemüse frisch und voll an Vitaminen, 
„das, und nicht Fleisch, sollst du bereiten, 
für dich und auch für mich der wahre Segen...“ 

Ich hocke in der Küche und das Wasser brodelt, 
der Duft nach Porree und nach Sellerie 
beginnt mich zu umschmeicheln. 
„Du hast doch die Zucchini nicht vergessen?“ 
kommt aus dem Nebenraume meines Weibes Stimme.
 
Nein, nein, und auch Kohlrabi hab ich beigefügt, 
Gemüse, das du noch nicht kennst, 
und alles dünstet sich im Topf zusammen 
zum köstlichen Gemüsemahl. 
 Und ich verschwieg es weise, 
dass ich mit Maggi würzte, 
da doch Naturgeschmack und Bios ward gefordert!

 „Weil du so duldsam warst, 
darfst du nun zu den Wurzeln 
der Petersilie und Karotten 
auch frischen Bauernschinken uns servieren, 
und dann, wie jeden Abend, 
dein Doppelgläschen Rotwein!“
 
 Ach, wie ist glücklich so ein Pensionist, 
wenn er sein Glück an seiner Kochkunst misst 
und sein Gemüse mit der lieben Gattin isst!

Hosenstudie

Die Oberhose, 

von der Unterhose her gesehen, 
ist fast ein Usurpator, 
der jener nur ein wenig Luft 
und selten Licht gewährt. 

Doch gibt es Stunden, Nächte meistens, 
wo beide friedlich schlummern, 
im Wäschekorb die eine träumt,
indes die andere, 
ausgeleert auf einer Sesellehne hängend, 
versucht, die frische Haltung und die Bügelfalte 
aus sich selbst und dem Erinnern 
wieder herzustellen. 

Die erstere aber, die den Duft des Körpers, 
manchmal auch ein Tröpfchen von Urin 
durch einen Tag hindurch gesammelt, 
denkt fast ein wenig traurig, dass sie bald 
in einer Waschmaschine 
von beiden wieder losgetrennt 
und dann vom heißen Bügeleisen 
zurück in eine glatte Form 
sich pressen lassen wird, 
um wieder einen andren Tag erneut 
und nicht sehr willig sich der Überdeckung 
durch die Oberhose auszusetzen, 

Denn jene Oberhose ist nun einmal 
so beschaffen, dass sie sich selbst als Hose nur 
erkennt und nicht das „ober“ braucht, 
um ihre Existenz im Worte zu begründen, 
dieweilen jene arme Unterhose, 
das „unter“ zur Bestätigung 
der unterjochten Eigenexistenz 
wohl essentiell benötigt. 

Da aber jenes Denken, 
das eigen ist dem Träger beider Hosen, 
die klare Trennung im dualen Sinne postuliert, 
manichäisch unterscheidet zwischen 
innen-außen, wie auch dem unter jeweils 
steht ein ober gegenüber, wobei das ober aber 
immer über einem unter wird bewertet, 
kann man als Freundlichkeit der Oberhose
es verstehen, dass diese auf ihr Präfix 
hat verzichtet, und so erscheint es zumutbar, 
dass sich die Unterhose resigniert 
dem ihr bestimmten Schicksal und der (Ober)Hose unterwerfe!