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Montag, 6. März 2023

Die Gärten

 

Ruf mir den Namen zu, im Garten der Lüste,

im Garten der Träume, wo ich verweilen möchte

in den herrlichen Räumen, von Flammen des Schwertes,

das der Herr dort geboten, nicht mehr erreicht.


Denn Engel beschützen, denn Engel zerstören,

immer nur, was der Herr ihnen sagt,

sie die Uralten, die der Vernichtung

einmal entgangen, als diese vertagt.


Was sollten im Garten der Sehnsucht die Hellen,

deren Flügelschlag sanfter als liebkosender Wind 

die dem hoffenden Herz eine Frohbotschaft sagen,

die sich versengen. die sich vertragen,


die nimmermehr  sind und nimmermehr waren,

die keiner erkennt und sie doch in sich trägt,

für die wir Vergebung und Wiederkehr wagen?

Sie sind es, die sich an den Himmel gestellt,


um uns zu bewahren, sich zu uns bekennen,

im Lauschen des Ewigen Saitenspielklimpern,

sie, die hinter den dunkelnden Wimpern

niemals vergaßen, was sie einst waren.


Donnerstag, 8. Juni 2017

Gang in den Abend


Leise legt der Abend weiche Schatten 
auf Gärten, Wiesen, Wälder und er lauscht,
wie  sanft des Tages Atem im Ermatten
verspielt in dürren Blättern rauscht.

Ich gehe die schattigen Wege entlang
und spüre, geniese das raue Liebkosen, 
wenn ein Blatt mich streift wie ein Gesang,
wie ein ferner Duft vertrocknender Rosen.

Dann aber sind um mich nur  die Pinien,
die sich noch im Abglanze regen,
Zypressen, deren verdämmernde Linien
sich hin in die Nacht zum Schlafe legen.

Mir wird der Weg endlos und schwer.
Die Füße halten und zögern und tasten,
als wäre kein Weiter, nur Nimmermehr,
nur Friede, nur Heimkehr, nur Rasten.




Donnerstag, 16. März 2017

Frühling




Leicht wie imTanz umdreht das verhaltene Blühen
Des sich verkündenden Grüns in Wiesen und Gärten
Ein fröhlicher Wind, den die Feuchte des schmelzenden
Letzten Schnees  aus schattigem  Schutz erfrischt.
Darüber hin spielen Hasch-mich die Wolken
Mit der noch langsamen Sonne, die aber jene,
Die zu leichtsinnig sich an ihr verbrennen,
In Tränenschauern  auf die junge Erde hinab stösst.

Verwirrt wendet das junge Mädchen verwegene Blicke
Zum jungen Mann, dessen Worte kühner und  freier
Sie überlaufen und ihren Herzschlag betören.
Die Alten aber,  vom Winter geschwächt,
Drückt die Wende nieder, trübt ihren Blick
Und öfters verhalten sie ihren schleppenden Schritt.
Des Windes säuselndes Schmeicheln hört nicht mehr ihr Ohr,Narcis, Blume, Gelb, Weißer Hintergrund

Und sie sind Abschied, mitten im Jubel des Anfangs.

Sonntag, 23. Dezember 2007

Letzter Adventsonntag

(Bläsergruppen aus Nordfrankreich in Montmartre) 


 Durch die Gassen, Straßen, Winkelhöfe 
wogt der feierliche dumpfe Klang der Tuben, 
trägt die alten Melodien des Jahresfestes, 
ruft,berichtet und erzählt von der Erwartung 
von der immer wieder neu versprochenen Ankunft 
des das Heil verkündigenden Welterretters 
mit dem Pathos abgespielter Weihelieder und Gesänge. 

Von Balkonen und aus offenen Fenstern 
neigen sich die froh gelaunten Menschen, 
die ihr hastig Festbereiten für Momente 
unterbrechen, um mit Lächeln zu verspüren, 
wie der Hauch von fast vergessenen Bildern ihrer Kindheit 
sie mit Wehmut und Besinnlichkeit berührt. 
Die aber, jene Kinder, die es heute sind 
und in den Tag hinein den Tag erleben, 
halten nur kurz, beinah erstaunt ihr Plärren an 
und wissen nicht warum!

Dienstag, 16. Oktober 2007

Grinzinger Erinnerungen

Zwischen dem glatten Spiegel
und dem vorgeneigten Kopf
stützt sich mein flachgelegter Unterarm,
auf den ich meine Stirne lege.

So kann ich meinen Blick nach innen richten
und bei Gedanken, auch den trägen, schweren,
ein wenig weilen, dort am Abort einer Schänke,
in der für wenig Geld
man schlechten Wein mir reichte,
den jetzt ich mühsam doch befreiend
aus mir fließen lasse.

Wie kam ich denn hierher
und weiß ich, was ich hier
zu finden hoffte?

Ich suchte nichts
und das war's, was ich fand
hier am Aborte,
Stirn auf Unterarm
auf Spiegel oder Wand.

Montag, 24. September 2007

Alte beim Heurigen

Wie einst im Mai! 

So schön konnte es sein, 
als wir noch glaubten, 
dass die Welt auf uns wartete,
direkt vor der Türe, 
und sie trug ein buntes Kleid 
aus Hoffnung und Versprechen, 
aus den noch nicht verlorenen Träumen 
und dem Frohsinn übermütig zusammengebastelt. 

 Wir waren so jung, 
wie es das heute nicht mehr gibt, 
weil man keine Zeit mehr lässt den Träumern, 
die nicht sofort alles haben wollen, 
alles an sich reißen, alles aufbrauchen, 
was an Schönem und Tiefem 
die Welt, die Liebe, das Leben 
uns langsam nur zu bieten bereit ist. 

 Dann sitzen wir heute draußen, 
irgendwo in einem Garten 
vor dem einen Glas, 
das uns noch gestattet, 
und wenn der Musiker kommt, 
die Geige und auch die Harmonika, 
erinnern wir uns, 
wie wir sie einst belächelten, 
die Alten, 
und wissen, das sind wir jetzt, 
und wir lassen die alten banalen Lieder 
durch uns sinken und wir summen mit….

Freitag, 3. August 2007

Ufergedanken

Wenn des unermesslichen Kleides

kräuselnder Saum deine Füße umspielt,

wie in Gesten der Demut und der Verehrung,

und seine, des prächtigen Meeres, Ufer

ihren Abdruck getreulich empfangen,

magst in den Nacken den Kopf du werfen

um aufzujubeln: „Ich bin!"


Doch der Schall deiner Stimme

fällt zurück ohne Echo

ins Ohr dir, und in Gleichgültigkeit

wiederholt die Brandung ihr ewiges Spiel,

verwischt deine Spuren mit blasigem Schmatzen.


Zeugin allein deines Glückes

wäre vielleicht jene Meduse geworden,

die am Strande vertrocknet unweit von Dir,

hätte die Schöpfung ihr Auge und Ohr gegeben.

Doch wozu, da doch Vergehen und Tod

nicht des Verstehens bedürfen?

Montag, 16. Juli 2007

Idylle am Strand

Eine warme Woge schwemmt ans Ufer 

die leergewaschene Schale einer Languste 
und legt sie zur nackten Wade des ertrunkenen Matrosen, 
den sie zuvor auf ein Lager aus Sand und Tang 
behutsam gebettet. 

Dann hebt und senkt das abgeflaute Meer 
die noch fast ganzen Glieder, 
fröhlich beinahe, im schaukelnden Rhythmus. 
Das flachgeschabte Gesicht franst sich im Sande, 
doch die salzzerfressene Nase 
reizt nicht mehr der Algen Geruch. 

Wenn später die Nacht die Konturen verwischt, 
kommt irgendwann mit der Flut eine gnädige Welle 
und schleppt in die Tiefe zurück, was der Tag nicht gewollt.

Einzig hungrige Möwen werden am Morgen 
vielleicht ihre Flügel schleifen 
über den reingeschwemmten Sand,
als wüssten sie etwas von dem Verschwinden 
und ihr Schrei mag Hunger heißen oder auch Klage. 

Donnerstag, 17. Mai 2007

Einfaches Volk

Rauchender Schlund an der Lagune. 

Träume sind anderswo. 
Wundgeschundene Stunden. 
Sonntags Bingo und Ball. 
 Fett oder Kleie? 
Bestickt stramme Leisten, 
gebraucht die beengende Haut 
Schleier? 
 Gerafft und gewürgt die hüpfenden Backen. 
Ein wohltemperiertes Grinsen für den teuren Schlüpfer.

Dienstag, 15. Mai 2007

Klagenfurt, Neuer Platz, Mai 2007

Jetzt haben sie dich aufgerissen. 

Mit schweren gelben Ungeheuern 
kratzen sie den Grund, 
der immer tiefer sich um deine Mitte breitet.
 
Die Autos, die dich sonst den ganzen Tag umrunden, 
sie bleiben fern, durch bunte Zeichen abgehalten, 
wenn sie nicht Taxis oder Autobusse sind. 

Die alten Bäume wurden ausgegraben. 
Sie verschwanden,  
bevor die Menge noch ein Lebewohl gesungen, 
doch in die tiefen Furchen, die die Bagger ziehen, 
 werden in Doppelreihen bald Platanen eingepflanzt. 

Auch, wie es scheint, wird dann die weite Fläche 
mit Fliesenziegeln abgedeckt oder dergleichen. 

 Das lärmt und schreit den ganzen Tag 
und schreckt die Menge weg, 
die sich in anderen Quartieren ihren Kaufbedarf, 
Kaffeehausklatsch und Rendezvous zu sichern weiß.

Wenn dann nach Arbeitsabschluss balzend stolz 
mit Festgrimasse der Herr Bürgermeister 
deine neue Schönheit preisen wird, 
die Stadtverwaltung und sich selbst mit Lob beträufelnd, 
den Bürger nicht, 
der unbefragt dafür mit Steuern zahlte, 
dann kehrt zurück zu dir, mein lieber neuer Neuer Platz, 
 das alte Leben voller Autos, Lärm und CO2.

Sonntag, 13. Mai 2007

Klagenfurt, Neuer Platz, Jänner 2007

Der weite Platz, auf dem die alte Steinskulptur 

 nicht mehr erschrecken will, 
da selbst des Ungeheuers Dräuen 
als Wasserspeier ist verstummt, 
er fröstelt unterm Raureifmantel, 
den ihm der frühe Morgen angelegt. 

 Kaum heben ihre Blicke spärliche Passanten, 
die noch den Nachtdunst auf den Stirnen tragen, 
wenn sie mit Vorsicht 
auf dem glänzend glatten Pflaster, 
auf dem ein Sturz mit Knochenbrüchen droht, 
zu ihren Arbeitsstätten hasten. 

Dann spielen den gewohnten Rot-grün Wechsel 
 ringsum die Ampeln und die Autos kreisen 
vorbei an Schaufenstern, Geschäftportalen, 
die noch im Weihnachtsschmucke glitzern. 
Ein fettes Bettelweib sucht erste Opfer, 
Und Duft von Röstkastanien weckt den Tag.