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Samstag, 9. Januar 2021

So dann und wann


Oft denke ich, wie schön es  wohl wäre,

könnte ich einer der Fürsten sein,

denen sich nähern ist eine Ehre

und schenkt selbst dem Wasser das Edle vom Wein.


So dann und wann aber

hab ich Gedanken, 

die irgendwo im Nichts 

sich zu verlieren scheinen.


Dann schüttle ich den Kopf 

und denke, 

dass es wär zum Weinen,

wenn ich nicht folgen könnte, 

was von der Gewohnheit Schranken

sich hält vor mir verborgen,


Doch dann 

kommt mir auch wieder der Gedanke 

an das, was mir so lieb und teuer,

war – vielleicht auch bleibt.


Ich denke,

greife nach der vagen Ranke, 

die mir von der Vergangenheit noch bleibt,

Obwohl mir  etwas Neueres zwar 

bestimmt noch lieber wäre.


Und dann und wann,

und irgendwann,

wird mir bewusst,

wird es mir klar,

dass alles,

was auch immer es nur sei,

es war, 

es ist nicht mehr,

es ist 

vorbei…



 


Mittwoch, 22. Mai 2019

Polsterschlacht



Ähnelt das Leben nicht sehr einer Polsterschlacht,
bei der man mit Daunenkissen sich schlägt,
Und hüpft und springt, schreit im Spaß oder lacht,
Und übermütig ist, gut aufgelegt.

Man lacht sogar, wenn die  Kissen platzen,
Die Federn wirbeln  und alles bedecken,
Denn man will sich doch nicht das Vergnügen verpatzen.
Spiel soll es bleiben, um den Ernst zu verstecken.

Doch dann muss man anhalten, um zu verschnaufen.
Man liebt sich vielleicht oder geht aufs Klosett.
Aufräumen müsste man, zum Autobus laufen.
Zurück bleibt ein kaltes zerwühltes Bett.

War es lustig? Wer hat bei dem Spiele gewonnen?
Man mühte sich ab und was hat es gebracht?
Am Ende ist alles, was man mutig begonnen, zerronnen,
Zerplatzt wie Kissen in einer Polsterschlacht.


Samstag, 23. Dezember 2017

Gott ist kein Emigrant


Stets immer nur zu erzählen, was allen gefällt,
Bekommt der Geduldigste schließlich und endlich auch satt,
Denn es tut sich so manches andere auf dieser Welt,
Doch davon reden ist ein anderes Blatt.

Ich blättere nicht ungern auf solche andere Seiten,
Wo man den Neugierigen meist auf die Finger klopft.
Doch wer davor Angst hat, vermeide besser das Streiten,
Verbleib in der sicheren Tradition und verzopft.

Habt Ihr bemerkt, wie die Meinung der Leute gewandelt,
So dass es fast Schande erscheint, ein Mann noch zu sein?
Denn immer, wenn es sich um etwas Wichtiges handelt,
Entscheiden die Frauen und die Männer willigen ein.

Mit großen Lettern schreibt man Humanität
Und birst fast vor Caritas, sieht man die schwangeren Leiber,
Die der Migrantensturm ins Land uns geweht,
Hungernde Kinder und  verschleierte Weiber.

Man öffnet die Tür und wie Lava strömt es herein,
Ernährt sich von uns und wird uns schließlich verschlingen.
Verblendete sagen, Brüder wollen wir sein,
Und hören lächelnd die Suren des Korans besingen.

Sie, die sich einnisten, wünschen: das Christkind verschwinde,
Die Krippe auch und das Schweinefleisch in der Schule,
Die Scharia gelte und vom Gesetze entbinde,
Kein Sex ohne Ehe und das Gefängnis für Schwule.

Gottes ist der Orient! Sagt Goethe,
Doch auch, dass Gottes ist der Okzident!
Auf dass der eine nicht den andern töte,
Bewahre er, was ihn von jenem trennt.

Sei es Jehova, Herrgott oder Allah,
Gott ist kein Emigrant und bleibt daheim.
Wo man auch hinkommt, er ist immer da,
Er ist die Blüte, Blume, Frucht und Keim.

Es wäre Unzucht, wenn man ihn verpflanze
Und ihn bekämpfe unter seinem Namen,
Verfluche andere, seh nur sich im Glanze,
Denn Gott ist Gott und da für alle. Amen.



Samstag, 13. April 2013

Heimatbefragung

Was hast Du, die ich Heimat heiße,
hast Du, was andre nicht besitzen?
Fehlt Dir, was man so häufig sucht,
wenn man sich vorstellt eine Reise,
und spricht von Kälten, Frühling, Hitzen,
bevor man wählt und bucht?

Gebirge , Flüsse, Wein und Sport,
ein reiches Angebot an Reizen,
es findet sich für jeden dort,
was dient, den Frohsinn anzuheizen.

Auch wurden Dir dereinst, nicht heute,
geboren große Töchter, Söhne,
bevor man Dich zerriss, verstreute
zu Ministaaten, Dir als Pöne.

So wurden Österreicher Tschechen,
zu Ungarn andre und Rumänen.
Dir ließ man gern die Kriegsverbrechen,
um selbst sich ohne Schuld zu wähnen.

Gebirge, Wälder farbenfroh,
auch Flüsse, Seen und so weiter,
die findet man auch anderswo,
vielleicht auch höher, länger, breiter.

In Deinen Schlössern und Palästen,
empfangen in Audienz Marxisten.
Den Schmerbauch des Gesindels mästen,
zum Beispiel, russische Touristen!

Kein Meer legt sich mit einem Strand
als Grenze Deinem Landes vor.
Was schadets? Es hilft Kosten sparen:
Du brauchst so kein Marinekorps.
Wo also ist, worin besteht,
was nur die Heimat uns kann schenken?
Der Zauber, der uns stets umweht,
wenn wir an Dich, an Heimat denken?

Wir denken "Heimat" und wir spüren,
wie sich die Brust verengt, sich weitet.
Uns überkommt ein Sehnen, Rühren
nach der, die uns als Kind geleitet,

die lang schon tot, doch unvergessen,
die Mutter, die uns half entdecken
die schöne Welt, die wir besessen.
Erinnerungen, die erwecken

die fernen Bilder ferner Zeiten.
Der Schein von dem, was einmal war,
will er zum Träumen uns verleiten,
von dem, was einst so wunderbar?

Im fremden Land, bist Fremder Du.
Doch sieh dies Land, das Deiner harrt!
So wende Dich ihm freundlich zu
und lebe mit ihm Gegenwart.

Dienstag, 9. Dezember 2008

Ablauf

Ich weiß, ich kann die Welt nicht umgestalten 

und könnte ich es auch, ich wollt' es nicht, 

drum bleibt die Welt, so wie sie ist, beim Alten:  

zwar täglich jüngster Tag, doch kein Gericht! 

 

 Die Zeit ist schlecht, das wird man nicht bestreiten, 

und das gilt ganz besonders für das Heut', 

wir können unser Leben nicht bereiten, 

das sich so bietet, wie es sich uns beut. 

 

 Stets gleiche Runden, gleiche alte Fiasken,

als wäre diese Welt ein Karussell, 

auf dem wir selbst sind jene bunten Masken, 

die nimmermüde treten auf der Stell. 

 

Dann stellt vielleicht der Ringelspielbesitzer 

ab die Musik und unser Drehen verhält. 

Doch keiner weiß warum, ob einen Witz er 

sich dabei denkt oder vergisst die Welt? 

 

Dann sind auch wir so ziemlich bald vergessen, 

es sitzen andre, wo wir früher saßen, 

die wie wir fluchen oder lieben, essen 

und träumen von dem Glück, das wir vergaßen. 

 

Dann ist auch das vorüber und vorbei,  

der Ton des alten Grammophons vergeht, 

und niemand fragt mehr, warum es so sei, 

dass jetzt auf allen Uhren Zero steht. 

 

Wie könnte dies auch zur Erregung führen, 

da solches sich nur gibt in Fleisch und Blut 

und leere Schatten einzig Leere spüren. 

Es wächst und reift das Nichts, wenn sich nichts tut.

Dienstag, 13. Mai 2008

Sechzehn Zeilen

Da deinen Namen meine Lippe trug, 

den wundgeliebten und vermaledeiten, 
stieg mein Verlangen, dich zu mir geleiten 
und dich zu halten, wie den vollen Krug, 
 aus dem mir einmal deine Liebe floss, 
und mich mit blinden Gesten so umwog, 
dass sich mein Leib ergab in deinem Sog 
und deine Fülle sich auf mich ergoss.  

Die Erde ich, die deine Feuchte trank, 
Gewitter, Sturm und Himmel du, ja du, 
so jauchzten wir berauscht einander zu, 
bis sich der Zauber brach, die Lust versank 
 und unsre Blicke sich zur Seite wandten. 
Dann gingst du fort mit einem leisen Gruß, 
Wohin? Ich lauschte deinem leichten Fuß, 
der zögernd sich verlor im Unbekannten.

Donnerstag, 15. November 2007

Übernahme

Schließe deine Augenlider 

und lege deinen Kopf in meine Hände, 
die ihn wie Schalen umfangen. 

Schwielig sind sie vielleicht und rau, 
doch die Härte der rissigen Haut 
dieser gealterten Hände spürst du wohl kaum. 

Fühle, wie die Tröstung, die vielleicht ich und niemand sonst 
in dieser lärmenden Welt dir bringen kann, 
wie vertrocknender Duft durch dein Gesicht steigt, 

bis die Schwere der verbrauchten Tage, 
die sich in deinen Zügen zu entlasten sucht, 
in meine geduldigen Hände sinkt.

Freitag, 9. November 2007

Verkennen

Wie fremd ist mir geworden 

dieses wilde Leben einer wilden Stadt, 
als hätten Drängen und das Schreien, 
die Gesten einer Menschenmasse, 
mit Wildheit, also der noch nicht gezähmten Lebenslust, 
etwas gemein. 

 War ich denn Teil davon, 
in diesem Sog aus Lust und Angst verfangen 
und mitgewirbelt durch die roten Lüste, 
denen nur Leere folgte 
und die Traurigkeit des Fallens? 

Freiheit und Glück? 
Gebunden ohne Fessel 
vor der glatten Spiegelwand der Einsamkeit, 
in der man sich nicht, 
noch die andern sieht, 
erkennt, verkennt, 
und keine andere Seite...

Samstag, 8. September 2007

Späte Begegnung

Lang sind und schwer die Gewänder, 

die die Alten noch tragen zum Kirchgang, 
zum Feste und Abschied von Toten. 

Auch die Mienen sind schwer und gezeichnet 
von lange getragener Bürde, 
der Last ihres mühsamen Lebens, 
dem zu entfliehen der Mut ihnen fehlte 
oder die Liebe ein Hoffen versprach, 
ein längst schon vergessenes Trugbild, 
das sie kaum je erhofften, 
und das nur mehr im Flackern der Kerzen 
am Grabe der andern sie manchmal berührt. 

Wenn dann ein faltiges Lächeln 
sich zeigt im Gesichte des Nächsten, 
das dem Erinnern nur gilt 
an jene versunkenen Tage, 
mag es geschehen, 
dass eine fast schon verdorrte Hand 
mit seltsamer Zartheit sich legt auf die Wange des andern, 
der vielleicht ein vergangener Schwarm 
oder auch mehr einst ihr war. 

Ein fast verschämtes „Weißt Du noch?“
klingt es so anders als das geflüsterte „Liebster“ von damals? 
Vorbei! und der schwere Fuß 
stolpert weiter und hinterher, als wäre 
die flüchtige Regung nimmer gewesen.

Donnerstag, 17. Mai 2007

Weihnachtsskizze

Wenn du aufschaust, einen Augenblick nur unterbrichst 

deine Hast, kannst du vielleicht das Christkind sehen 
oder den Weihnachtsmann, die sich ganz schnell 
hinter der Türe verstecken. 
Dann findest du einmal ein langes seidenes Haar, 
 das du auf den Weihnachtsbaum hängst, 
oder auch eine struppige Borste, 
die dem weißen Bart des Weihnachtsmannes entfiel. 

 Selbst aber wenn du zu langsam bist bei diesem Spiel 
 und nur noch den Geruch von Zimt oder Anis 
an deiner Nase vorbeiziehen spürst, kannst du 
ans Fenster treten und in die Nacht hinausblicken, 
die für dich einen Lichterbaum aufgestellt hat, 
ganz ohne dein Zutun. Streck deine Hand hinaus, 
aber sei vorsichtig, denn kalt weht der Wind herein. 
Vielleicht fällt dir eine kleine Flocke auf den Handrücken, 
dass du zurückzuckst, sie an deine Lippen führst 
und sie spürst wie den zarten Kuss der Mutter in deiner Kindheit.

Wenn auch das Schöne

Wenn auch das Schöne nicht bleibt, 

abfällt, verdorrt wie die Früchte des wilden Feigenbaumes, 
der seine Süße dem sanften Wehen des Windes zaghaft verschenkt, 
findet noch spät, wenn das Alter schon seine Gerbfinger auf die Haut legte, 
noch Ebenmaß das liebende Auge, und zur Liebkosung hebt sich die Hand.

Vorbei


Bei dir hab ich mich wie daheim gefühlt.
Was heißt das schon: gefühlt – daheim - bei dir?
Wenn die Begierde einmal abgekühlt,
hebt Unruh oder Gleichmut das Visier.

Erinnerst du dich noch der ersten Stunden,
die wir verwirrt zerredet und verdeutet,
denn unser Wort war, unser Sinn gebunden;
wir fühlten edel uns - und ausgebeutet.

Dann jene Zeit, in der wir alles hatten,
wovon wir einst geträumt, doch nie geglaubt,
dass wir so bald am Glücke uns ermatten
und unser reines Liebeslicht verstaubt.

So wurden aus den Lenden Schenkel wieder,
und Beine, die einst Fingerkuppen reizten,
zu Gehwerkzeugen: ganz banale Glieder,
die einst sich nicht nur aus Routine spreizten.

Am Sonntag lagen wir im Bett und dachten,
ob wohl der große Rausch vorüber sei?
Das war's, was nun? so meint ich und wir lachten
und lebten weiter, als wär nichts dabei.


Sing süßer Vogel

Sing, sing, süßer Vogel, sing, 

denn die Nacht ist nah. 
Vielleicht ruft dein Lied für mich, 
für uns alle, die wir hoffen auf jenes, 
das wohl nie verbleiben würde, 
selbst wenn es einmal sich fände 
und hinabstiege in die Pulse der Sehnsucht, 
deren Schlagen sich erhöbe zu einem Lustschrei 
und dann sich für immer verlöre. 
Noch einen kleinen Akkord 
sing süßer Vogel, 
dann flieh in die Nacht,
die uns gnädig sei.



Sättigung

wäre der Anfang auch nur seiner Süße beraubt 

und mit der Trauer belegt, die sich zum Ende gesellt, 
wie könnte das Leben sich je vom Bekannten lösen 
und zur Begeisterung schwellen jene Sattheit des Fühlens, 
die auf den Lippen das brandige Salz des Vergangenen 
 und im Auge zurücklässt der Beschämung erlösende Träne. 
Stimme und Sang ohne Echo im welkenden Duft 
nie noch erblühter Blumen. Schattenlos reift nur das Licht.