Samstag, 8. Dezember 2007

und gesang war wie licht

weißt du, warum der gesang nur manchen gegeben, 

andere aber, was jenen als wohlklang und aufschwung der seele 
sich bietet, mit schrecken erfüllt und erscheint als schmerzender lärm? 

erscheinen gehört jedoch in den bereich des erschauens, 
ist der bewegung der augen verwandt, aber nicht dem gehör, 
wenn auch beiden gemein ist der wunsch und das sehnen nach jenem,

das licht ist und feste, sich gegeneinander durchdringt, 
nicht erkennbar den sinnen, dem herz nur allein. 
bleibt der gesang, den vor zeiten begnadete dichter erlauschten

im strömenden, wehenden, unruhigen laut der natur 
und der tiere warnschrei, der brunst wie der klage. 
doch kann kein gesang in der ruhe geschehen noch verweilen, 

denn ruhe ist stillstand, das enden von jeder bewegung. 
muss darum gesang am ende alles geschehens verstummen?

Donnerstag, 15. November 2007

Übernahme

Schließe deine Augenlider 

und lege deinen Kopf in meine Hände, 
die ihn wie Schalen umfangen. 

Schwielig sind sie vielleicht und rau, 
doch die Härte der rissigen Haut 
dieser gealterten Hände spürst du wohl kaum. 

Fühle, wie die Tröstung, die vielleicht ich und niemand sonst 
in dieser lärmenden Welt dir bringen kann, 
wie vertrocknender Duft durch dein Gesicht steigt, 

bis die Schwere der verbrauchten Tage, 
die sich in deinen Zügen zu entlasten sucht, 
in meine geduldigen Hände sinkt.

Freitag, 9. November 2007

Ungeregelt

Der wilde Kampf um eine unbekannte
doch so ersehnte Wiederkehr
des Einen der sich selbst gesandte
und wuchs und wurde
und immer mehr als Spiel geschah
das sich gleich saurer Beigeschmack
in Apfelspalten oder in Orangenschalen
zu fügen drängte gleich dem Abend
an dem aus seinem blinden Sack
der Rotbehoste eine Nuss ergriffen
und sie den offenen Mäulern hingehalten
dass sie die trocknen Speichelfalten
mit Wortekrümmeln sengte.

Verkennen

Wie fremd ist mir geworden 

dieses wilde Leben einer wilden Stadt, 
als hätten Drängen und das Schreien, 
die Gesten einer Menschenmasse, 
mit Wildheit, also der noch nicht gezähmten Lebenslust, 
etwas gemein. 

 War ich denn Teil davon, 
in diesem Sog aus Lust und Angst verfangen 
und mitgewirbelt durch die roten Lüste, 
denen nur Leere folgte 
und die Traurigkeit des Fallens? 

Freiheit und Glück? 
Gebunden ohne Fessel 
vor der glatten Spiegelwand der Einsamkeit, 
in der man sich nicht, 
noch die andern sieht, 
erkennt, verkennt, 
und keine andere Seite...

noch zwei Minuten


...noch zwei Minuten
bis die Glocke tönt
und mich aus dem Verliese meines Schädeltempels
in eine unbekannte Freiheit zu entlassen droht.

Was kann in solchen Zeiten noch
geschehen, sich in mir entrollen
aus jenen Vorratskammern,
deren Türen nie geöffnet?

Was wird mir in dem Lichte
aus der andren Seite
angeboten, aufgedrängt?Verkennen
Die Angst...

Ich muss sie überwinden,
um einen Schritt nur gehen zu können.
Anschlägt die Glocke,
um die Zeit,

und ich,
geblendet,
falle, stürze
in das Außen...