Montag, 21. September 2009

Der Herbst ist wieder da

Auch wenn die Abende nun später werden,
das Strahlen des Herbstes ist im Grau verstaubt.
Wie segnend bietet uns das Jahr Gebärden,
an deren Großmut niemand wirklich glaubt.

Die Sonnenbräune ist schon ausgeblichen,
vom Urlaub redet man im Konjunktiv,
Man könnte, wollte, ist dann ausgewichen,
weil es ja sowieso ganz anders lief.

Das nächste Ziel? Ach ja, das Jahresende,
der Weihnachtstrubel, der kommt noch zuvor,
und dass man sich beim Schifahren wiederfände,
falls man die Lust dazu noch nicht verlor.

So jagen wir durch Wochen, Perioden
von einem Lebenshöhepunkt zum andern,
doch hält der Alltag uns zurück am Boden.
Wir bleiben sitzen, nur Gedanken wandern.

Donnerstag, 6. August 2009

Innenmarsch

Warum ich manchmal glaube, dass es sinnlos sei, 

nach Werten sich zu richten, an die niemand glaubt? 
Woran das liegt? Ich gehe an mir selbst vorbei 
und drehe mich nicht nach mir um, und überhaupt! 

Da grabe ich in meinem Schädel im Gerümpel
aus leeren Lustphiolen und zerrissenen Träumen. 
Ich wate wie betrunken durch den Wortetümpel, 
um den Beginn der Wirklichkeit nicht zu versäumen. 

 Und wie ich hoffe, an das Ufer zu gelangen, 
dem Dunkeln zu entfliehen und allem, das bedrückt, 
verspüre ich, wie mich die Sinne wieder fangen 
und was ich nahe glaubte, ist erneut entrückt.

Donnerstag, 28. Mai 2009

Tragödie im Theatercafé

Seine stolze Siegerpose

wird vom Schrecken schnell gehemmt,
spürt er:  in der Unterhose 
ist ein Stückchen Mann verklemmt! 

 Sucht er mit versteckten Gesten 
dies Gefängnis aufzubrechen, 
muss dies den Theatergästen 
in mokante Augen stechen. 

Drum, du Unterhosenträger, 
richte dein Gestell zu Hause, 
dass kein Blick der Fallenjäger 
höhnisch mustert dich zur Pause.

Samstag, 2. Mai 2009

Schon wieder mal!

Alle Male sind viel besser als ein Mal, das jenen, der es ohne erste Silbe für ein Einmal setzt, das also einmal zu bedeuten hat, als Sprachvernachlässiger aus den nördlichen Bereichen des deutschen Sprachraums identifizieren muss, wenn man nicht einem äffisch sich der Nachahmung schlechter Sprachgepflogenheiten hingebenden Süddeutschen bei dessen Gebrauch begegnet, was den hier sich erregenden Hochdeutschpuritaner zu ohnmächtigen Tränen der Wut und Beschämung triebe.

So las ich in einer sonst sich freundlich und nett gebärdenden Einladung zur Beteiligung und Mitarbeit an einer sich der Schöpfung und kreativen Gestaltung widmenden Gemeinschaft, die, um bei der sich immer mehr verbreitenden Zerstörung der deutschen Sprache durch die unnötige Hereinnahme von Ausdrücken in vorwiegend englischer Sprache mitzuwirken, sich als Community bezeichnet, die hiermit inkriminierte Aufforderung

"schau doch mal bei uns rein!"


Sollte ich das?

Dienstag, 9. Dezember 2008

Ablauf

Ich weiß, ich kann die Welt nicht umgestalten 

und könnte ich es auch, ich wollt' es nicht, 

drum bleibt die Welt, so wie sie ist, beim Alten:  

zwar täglich jüngster Tag, doch kein Gericht! 

 

 Die Zeit ist schlecht, das wird man nicht bestreiten, 

und das gilt ganz besonders für das Heut', 

wir können unser Leben nicht bereiten, 

das sich so bietet, wie es sich uns beut. 

 

 Stets gleiche Runden, gleiche alte Fiasken,

als wäre diese Welt ein Karussell, 

auf dem wir selbst sind jene bunten Masken, 

die nimmermüde treten auf der Stell. 

 

Dann stellt vielleicht der Ringelspielbesitzer 

ab die Musik und unser Drehen verhält. 

Doch keiner weiß warum, ob einen Witz er 

sich dabei denkt oder vergisst die Welt? 

 

Dann sind auch wir so ziemlich bald vergessen, 

es sitzen andre, wo wir früher saßen, 

die wie wir fluchen oder lieben, essen 

und träumen von dem Glück, das wir vergaßen. 

 

Dann ist auch das vorüber und vorbei,  

der Ton des alten Grammophons vergeht, 

und niemand fragt mehr, warum es so sei, 

dass jetzt auf allen Uhren Zero steht. 

 

Wie könnte dies auch zur Erregung führen, 

da solches sich nur gibt in Fleisch und Blut 

und leere Schatten einzig Leere spüren. 

Es wächst und reift das Nichts, wenn sich nichts tut.