Montag, 14. November 2022

Abschied nehmen


Bitter sollte ich sein, 

als wäre dies Verhalten

zum Abschied angemessen?


Doch welcher Abschied?

Ist es von Bedeutung, 

ob dieser oder jener, 

ob jenes Abschied plant, 

von mir?


Wenn aber ich es bin, ,

der etwas verlässt,

verlassen will ,

nicht will, doch muss, 

das mit mir war und das ich schätzte,

denn nur von dem. was wert für uns,

ist Trennung ein Verlust.


Wenn also ich mich trenne, 

von etwas scheide, das mir lieb,

dann wird der Schmerz allein erträglich 

bei dem Gedanken an ein Wiedersehen


Verfärben

 


Bläulich möchte man sagen, nicht wirklich blau

ist heute der Himmel am Allerheiligentag,

sonnig und klar doch fröstelt mir beim Gedanken

an den Spaziergang,  den üblichen, der mich erwartet

und der für mein Wohlbefinden unentbehrlich,

was meine Frau mir Tag für Tag wiederholt.


Jetzt habe ich auch meine Wanderstöcke wieder,

die ich im Keller gelagert und in der Hoffnung

dass ich sie auf längere Zeit nicht wieder brauche,

weil schon allein die Idee der Abhängigkeit

von einer Stütze beim Gehen sosehr mich schreckte,

mehr als der torkelnde Schritt und das häufige Rasten.


Doch da ist ständig auch meine Frau, deren Beispiel

und Abhängigkeit von der Stöcken mich daran erinnert,

wie leichtfüßig einst und fröhlich  sie früher gewesen,

und ich versuche die Stöcke nur als Verkleidung

und eitle Verspieltheit zu sehen, mit der alle Welt

so getäuscht werden soll, zu glauben, Sie kenne kein Altern.


Bin ich leicht zu beeinflussen, sentimental,

wenn ich die Realität zu verändern suche

und, was ich sehe, meinen Wünschen gerecht koloriere?

Ja, ich lasse bewusst die Beeinflussung zu

durch schöne Erinnerungen, um alles Erleben

so zu veredeln, dass es mich glücklicher macht.


Montag, 15. November 2021

Fluctuat nec mergitur

 

Wenn ein zürnender Gott seine Hände zu Fäusten verkrampfte,
mit wütenden Keuchen den Sturm zum Aufwall der Wogen reizte, 
dass die ärmlichen Boote der Schiffer  auftanzten , um erneut 
vom gischtgekrönten Wellengipfel in den Abgrund 
zu stürzen und wieder empor, gerissen, geschüttelt und geschlagen
vom Hass des mächtigen Eiferers gegen die sonnenliebenden Segler,
so verkündete später de Sage, dass  die Mutigen aus dieser Prüfung
Stärke gewonnen hätten, für sich und der Ihren Überleben.

 

 

Selbst wenn auch heute noch Unwetter drohen und töten,
so scheint dies dem biederen Bürger ferne  von seinem Alltag
und  nur da, um in den Medien davon zu reden und ihm zu zeigen,
was auf der Welt sich so tut,  doch ihn zu  seinem Glück nicht betrifft.

 

Dies aber ist, wie so vieles, ein Selbstbetrug,
denn der Ansturm  auf unser Leben, wie wir es liebten,
wird ständig bedrohlicher, scheint unvermeidbar zu werden,
wenn die blindlings ins Maßlose wachsenden hungernden Völker
ihre Heimat verwüsten und ihren Ländern entfliehen,
und sich um Hilfe fordernd in jene Regionen wälzen,
in denen sie Friede und Wohlstand zu finden hoffen.

 

Wälzen, ja dieses Wort  beschreibt wohl am besten,
wie diese Armen verzweifelt als menschliche Sturmflut
unsere Grenzen umtosen, sie zu durchdringen versuchen,
unser Dasein schütteln, selbst zu vernichten drohen,
wenn wir in unserer Naivität Menschlichkeit
dort üben wollen, wo sie zum Selbstmord führt.

 

Fluctuat nec mergitur! Hört auf die Warnung,
denn das schwankende Schiff erreicht nur den Hafen,
weil der mutige Schiffer nie seine Segel gestrichen.
 

Was wir im Großen eben mit Besorgnis betrachtet,
es gilt auch für unseren Alltag und den Verlauf,
wie die Werte, denen wir unsre Liebe  schenken,
sich verändern und zu verschwinden drohen.
So hat nach dem Vorbild Lutetias Schlaraffia auch
für sein Reych in Paris sich denselben Wahlspruch 
auf sein Wappen  geschrieben und sich darin erkannt,
dass die Drohung des Untergangs  nie den Mutigen
vom seinem  Rettungsversuch zurückschrecken darf.
Lulutetia Parisiorum fluctuat – nec mergitur!


Sollte in "Fechsungen..." veröffentlicht werden und landete irrtümlicherweise hier,

wo ich es beließ  (Rt Schmafu, und sonst nix)

Donnerstag, 28. Oktober 2021

Korridor

 

Entlang zu gehen,

entlang dem Korridor, dem sich ein Tor

vielleicht ans Ende fügt,

ans Ende, das in sich bereits sein Nichtsein birgt.

Entlang zu gehen,

und in die Schleife biegen

ehe sie beginnt zur Rückkehr sich zu schließen,

umfangen von vergessenen Lauten fremder Instrumente,

ausgeleiert bis in den Widerspruch

und seine Rötung vor den Wunden

nie geschlagener Schlachten.


Dennoch aber trägt der Held sein Los

in mageren Händen,

lang entfleischt vom Übermut

mit dem ihm jene,

die an seinen Fersen hängen

mit Bewunderung und anderen Gefühlen,

den Leib benagen mit gespitzten Zähnen,

die sich in Sicheln wandeln und

Sirren, drohend aus dem Schatten.


Kein Stunden des Veratmens,

kein Halt für die verdurstende Geduld,

nur Abgrund, ohne Absatz ohne Boden

und das Getöse der zerbrechenden Gefäße

nach dem Gerülpse, das den Abgesang ersetzt

Mittwoch, 27. Oktober 2021

Abwärts


Ob es die schönen Tage waren, die vorbei,

die Sonnentage und die wohlig weichen  Winde,

die mich durch diesen langen Sommer führten?

Es regnet jetzt und dieser Regen -

man konnte lächeln fast -

trägt Wärme immer noch mit sich,

Wärme, die ich brauche und verbrauche 

beim  Frösteln meiner Hände

und dem  dumpfen Schmerz,

der in mir steigt und mich nimmt

als unwilliges Opfer.


Seit Tagen warte ich  und ich weiß nicht warum

dass die dumpfen , die dunklen Wogen in meinem Hirn

sich lösen und mich  auf einen helleren Weg hinlenken,

um mich  wieder zu finden, 

dass mein Ich sich wieder besinnen kann 

und  ich zurückfinde zum Wort, das ich  so sehr vermisse

in dieser Nebelphase, die kein Gesicht hat  und mich bedrängt ,

hindrängt in den abseitigen Busch auf dem abseitigen  Hang

meiner abseitigen Gedanken.  


Was verbirgt sich dort und will es mich halten,

weghalten von  dem, was ich suche, es binden in mich

mit abstrusen Lappen des Tonfalls, den schmutzigen,

die von sich selber triefen im öligen Morast.

Was hockt dort und  wispert und wispert,

was ich nicht hören  kann , 

doch spüre im Zittern des  Trommelfells,

im Vibrieren der Schläfen, der schmerzenden Schläfen?


Und ich kann nicht schreien, 

mich selbst ausrufen und anklagen

mit der verstummten Stimme meiner Wortlosigkeit.

Wo habe ich verloren, was ich geliebt,

was mich erleben ließ durch das gebärende Wort, 

was stieß mich in die Unfruchtbarkeit

in der ich verdämmere, verkomme, vergehe?


Herr, wenn es Sünde war, 

ich lebte darin und ich bitte Dich,

lass mich darin, 

verdamme mich, 

doch lass mir das Wort und nimm alles,

alles mir so fremde, 

und ich kann  und will  im Vergehen noch Dir danken, 

dass es war, 

dass ich war.