Montag, 6. März 2023

als dann vorbei,


als dann vorbei,

erloschen war die kurze Flamme

einer Liebe, die sich zu spät entflammt.


Was sie Verachtung nannte,

war es spätes Wissen um ihr Übelwollen,

das aus Versuchungen des Fleisches

einer abgelegten Jugend ihr verblieben?


Ein Lächeln, fast ein Spiel, ein müder Leib,

so trug sie sich mit ihren Altersfalten

in das Gewerbe, dem sonst die verfallen,

die nie zum Wert des Lebens sich bekannten.

Und so geschah's, dass sie den Widrigkeiten

und Verlusten nur die letzte Daseinshülle

vorhielt wie ein Maskenschutz,


um durch die niemals enden wollende

Gefahr und Trauer ihrer Lenden

sich dem Verfalle hinzugeben

und sich in diesem zu erlösen,

zu lösen, aufzugehen in ein Nichtmehrsein,

ein Abschluss und das endliche Vergessen.


als dann vorbei,

erloschen war die kurze Flamme

einer Liebe, die sich zu spät entflammt.



Begriffsleere

 

Wie kann Vergängliches verstehen,

was ewig und unendlich soll besagen?

Und doch, man hört nicht auf,

den ach so schwachen Schädel sich zu kratzen

und ihn vielleicht sogar beklagen,

weil er, der außerdem nur Hülle ist

für einen Apparat,

der Denken hält und produziert,

so manches aussagt,

das meistens nichts oder wenig nur enthält,

doch wie von Ehrfurcht angefeuert,

jene Bereiche hätschelt

und mit mystischer Verklärung nur

sich ihnen nähern wagt.


Wozu jedoch dies Drängen,

dies Saitenspiel

auf kläglich schwacher und verstimmter Geige?

Nur weil von Kratzen war die Rede

und mangels jeden Anhaltspunktes

ein hoffnungsfroher Geist

die abgestumpften Ohren nach den Lauten dreht,

die weder Lied noch Offenbarung,

doch als Gekrächz

dem Suchenden Ersatz und Linderung versprechen.


So wird aus Ewigkeit

nur staendig Wiederholen und Dauer,

in die sich die Unendlichkeit verirrt,

verfängt im Wortgeflecht

verbaler Prahlerei

des stolz sich als modern bekennenden

Hohlkopfes oder Philosophen!


Montag, 14. November 2022

Abschied nehmen


Bitter sollte ich sein, 

als wäre dies Verhalten

zum Abschied angemessen?


Doch welcher Abschied?

Ist es von Bedeutung, 

ob dieser oder jener, 

ob jenes Abschied plant, 

von mir?


Wenn aber ich es bin, ,

der etwas verlässt,

verlassen will ,

nicht will, doch muss, 

das mit mir war und das ich schätzte,

denn nur von dem. was wert für uns,

ist Trennung ein Verlust.


Wenn also ich mich trenne, 

von etwas scheide, das mir lieb,

dann wird der Schmerz allein erträglich 

bei dem Gedanken an ein Wiedersehen


Verfärben

 


Bläulich möchte man sagen, nicht wirklich blau

ist heute der Himmel am Allerheiligentag,

sonnig und klar doch fröstelt mir beim Gedanken

an den Spaziergang,  den üblichen, der mich erwartet

und der für mein Wohlbefinden unentbehrlich,

was meine Frau mir Tag für Tag wiederholt.


Jetzt habe ich auch meine Wanderstöcke wieder,

die ich im Keller gelagert und in der Hoffnung

dass ich sie auf längere Zeit nicht wieder brauche,

weil schon allein die Idee der Abhängigkeit

von einer Stütze beim Gehen sosehr mich schreckte,

mehr als der torkelnde Schritt und das häufige Rasten.


Doch da ist ständig auch meine Frau, deren Beispiel

und Abhängigkeit von der Stöcken mich daran erinnert,

wie leichtfüßig einst und fröhlich  sie früher gewesen,

und ich versuche die Stöcke nur als Verkleidung

und eitle Verspieltheit zu sehen, mit der alle Welt

so getäuscht werden soll, zu glauben, Sie kenne kein Altern.


Bin ich leicht zu beeinflussen, sentimental,

wenn ich die Realität zu verändern suche

und, was ich sehe, meinen Wünschen gerecht koloriere?

Ja, ich lasse bewusst die Beeinflussung zu

durch schöne Erinnerungen, um alles Erleben

so zu veredeln, dass es mich glücklicher macht.


Montag, 15. November 2021

Fluctuat nec mergitur

 

Wenn ein zürnender Gott seine Hände zu Fäusten verkrampfte,
mit wütenden Keuchen den Sturm zum Aufwall der Wogen reizte, 
dass die ärmlichen Boote der Schiffer  auftanzten , um erneut 
vom gischtgekrönten Wellengipfel in den Abgrund 
zu stürzen und wieder empor, gerissen, geschüttelt und geschlagen
vom Hass des mächtigen Eiferers gegen die sonnenliebenden Segler,
so verkündete später de Sage, dass  die Mutigen aus dieser Prüfung
Stärke gewonnen hätten, für sich und der Ihren Überleben.

 

 

Selbst wenn auch heute noch Unwetter drohen und töten,
so scheint dies dem biederen Bürger ferne  von seinem Alltag
und  nur da, um in den Medien davon zu reden und ihm zu zeigen,
was auf der Welt sich so tut,  doch ihn zu  seinem Glück nicht betrifft.

 

Dies aber ist, wie so vieles, ein Selbstbetrug,
denn der Ansturm  auf unser Leben, wie wir es liebten,
wird ständig bedrohlicher, scheint unvermeidbar zu werden,
wenn die blindlings ins Maßlose wachsenden hungernden Völker
ihre Heimat verwüsten und ihren Ländern entfliehen,
und sich um Hilfe fordernd in jene Regionen wälzen,
in denen sie Friede und Wohlstand zu finden hoffen.

 

Wälzen, ja dieses Wort  beschreibt wohl am besten,
wie diese Armen verzweifelt als menschliche Sturmflut
unsere Grenzen umtosen, sie zu durchdringen versuchen,
unser Dasein schütteln, selbst zu vernichten drohen,
wenn wir in unserer Naivität Menschlichkeit
dort üben wollen, wo sie zum Selbstmord führt.

 

Fluctuat nec mergitur! Hört auf die Warnung,
denn das schwankende Schiff erreicht nur den Hafen,
weil der mutige Schiffer nie seine Segel gestrichen.
 

Was wir im Großen eben mit Besorgnis betrachtet,
es gilt auch für unseren Alltag und den Verlauf,
wie die Werte, denen wir unsre Liebe  schenken,
sich verändern und zu verschwinden drohen.
So hat nach dem Vorbild Lutetias Schlaraffia auch
für sein Reych in Paris sich denselben Wahlspruch 
auf sein Wappen  geschrieben und sich darin erkannt,
dass die Drohung des Untergangs  nie den Mutigen
vom seinem  Rettungsversuch zurückschrecken darf.
Lulutetia Parisiorum fluctuat – nec mergitur!


Sollte in "Fechsungen..." veröffentlicht werden und landete irrtümlicherweise hier,

wo ich es beließ  (Rt Schmafu, und sonst nix)