Mittwoch, 6. Juni 2007

Die Jugend ist die Seuche


Denn allen Raum durchdringt die Dummheit,
die aus den Poren träufelt, uns umschlingt
wie Sumpfgewächs, erstickend Licht und Glut.

Wie wenig braucht es, um die Brut zu sengen,
die sich aufs Leben schimmelgleich gelegt?
Schon immer gab es Mord und Brand und Seuche.

Die Jugend ist die Seuche, die auf alles,
was je der Mensch durch Arbeit sich erkämpft,
nun ihre freche Hand im Frevel legt.

Die Jugend, die zum eitlen Wahn der Alten,
der sich in vager Möglichkeit erschöpft,
die Tatkraft ihrer jungen Jahre fügt.

Was vordem harmlos nur seniler Geifer,
durchtrennt als Richtschwert dann der Welt den Nacken,
die mit ins Sterben alles Leben reißt.

Wenn man wollt fragen, wessen war die Schuld
und wer nur Diener eines fremden Geistes,
so schweigt das Sein, der Stimme längst beraubt.

Es schweigen die Ruinen und Kadaver,
Nur Wind bewegt bisweilen dürre Halme,
doch niemand lauscht mehr ihres Raschelns Klage.


Montag, 21. Mai 2007

Schlafstörung


Wenn die Nacht um mich knackst
oder summt und der Tinnitus pfeift,
halt ich die Lider geschlossen
und steige ins Träumen.

Pfeif nicht so laut!
Das Pochen hinter dem Brustbein:
Bumh, brrrumpum, brubbrubbrub!
Sollte zur anderen Seite mich drehen.

Wie ich schnaufe.
Hinter einem Wagen,
einem winzigen mit lachenden Spöttern,
laufe ich her,
keuche und springe.
Sprünge,
die sich von den Sohlen
ablösen.

Höher,
aber ich stoße schon an,
denn der unendliche
gewölbte Himmel
ist so tief.
Mit meinen blutigen Nägeln
kratz ich den Kalk
aus seinen Fugen,
suche seine Türe,
die Luke, ein Fenster
einzudringen
hinter diese Himmelswand,
unter der ich sticke,
ersticke ,
ersticke..

bis der Tinnitus
die Pause läutet
und die Nacht wieder um mich knackst.

Donnerstag, 17. Mai 2007

Rückenmassage

Wenn du an Liebe denkst, vergiss das Alter, 

das Reife bringt vielleicht, doch stets Verfall! 
Was du für Würde hältst, ist nur ein kalter 
Verzicht, ist Klagen ohne Widerhall. 

Die warme Hand, gelegt auf meine Haut, 
aus alten Träumen weckt sie Phantasie, 
doch dort, wo damals Gier mein Blut gestaut, 
erblüht jetzt welke Lust zu Poesie.

Grausliche Mitternacht

Hufschlag und Fluchen und der Schrei einer Magd 

in der Scheune geschändet zum wirren Gelächter. 
Wer jetzt noch ins Dunkle zu spähen sich wagt, 
wird gnadenlos Opfer der grimmigen Schlächter, 
dem die nächtlichen Schemen die Adern zerfleischen, 
wenn die hungernden Rudel der heulenden Hunde 
ihren Anteil am blutigen Mahle erheischen 
von Hexern und Teufeln zur Mitternachtsstunde. 

Behänge die Balken mit Knoblauchzöpfen. 
Mit Weihwasser musst du die Türen besprengen, 
wenn ums Haus tobt die Hatz der Gespenstergeschöpfe, 
die mit flackernden Fackeln zum Eingang sich drängen. 
Halt die Ohren dir zu , schließ fest deine Augen, 
hinter den Ofen verkriech dich zum Beten. 
Das Weihwasser trocknet, dein Hirnblut saugen 
mit Schmatzen die Gäste, eh' sie dich zertreten.

Weihnachtsskizze

Wenn du aufschaust, einen Augenblick nur unterbrichst 

deine Hast, kannst du vielleicht das Christkind sehen 
oder den Weihnachtsmann, die sich ganz schnell 
hinter der Türe verstecken. 
Dann findest du einmal ein langes seidenes Haar, 
 das du auf den Weihnachtsbaum hängst, 
oder auch eine struppige Borste, 
die dem weißen Bart des Weihnachtsmannes entfiel. 

 Selbst aber wenn du zu langsam bist bei diesem Spiel 
 und nur noch den Geruch von Zimt oder Anis 
an deiner Nase vorbeiziehen spürst, kannst du 
ans Fenster treten und in die Nacht hinausblicken, 
die für dich einen Lichterbaum aufgestellt hat, 
ganz ohne dein Zutun. Streck deine Hand hinaus, 
aber sei vorsichtig, denn kalt weht der Wind herein. 
Vielleicht fällt dir eine kleine Flocke auf den Handrücken, 
dass du zurückzuckst, sie an deine Lippen führst 
und sie spürst wie den zarten Kuss der Mutter in deiner Kindheit.